Die unbekannte Gefahr: Krankheiten wie Schlafstörungen durch Lichtverschmutzung

Ein Thema, dem viele Menschen nachts ausgesetzt sind und zu Schlafstörungen führt, ist die Lichtverschmutzung. In Ballungszentren ist das Aufkommen deutlich höher als in weniger dicht besiedelten Gebieten oder auf dem Land. Unter Lichtverschmutzung ist die Aufhellung des Himmels durch künstliches Licht bei Nacht gemeint. Neben der Wirkung auf die Umwelt und das Tier- und Pflanzenreich leiden immer mehr Menschen unter dem Einfluss der künstlich erhellten Nachtzeit. Insbesondere der Hormon-Haushalt kann durcheinandergeraten, die natürliche Einstellung des menschlichen Organismus auf den Tag-Nacht-Zyklus wird durcheinandergebracht. Psychische Erkrankungen können Folgen solcher Schlafstörungen sein.


Die Lichtverschmutzung ist vor allem eine Belastung der Neuzeit. Durch die steigende Intensität künstlicher Lichtquellen, wie auch nachtaktiver Prozesse, vor allem durch hohes Arbeitsaufkommen bei Nacht, sehen wir uns einem Problem konfrontiert, welches es früher so noch nicht gegeben hat. Die Industrialisierung der westlichen Länder birgt ein bisher stark unterschätztes Risiko, was unseren Organismus wie auch den Stoffwechsel des Menschen betrifft. Lichtverschmutzung ist ebenso ein Teil der Umweltverschmutzung wie: Wasser,- Luft- oder Bodenverschmutzung. Die Risiken und Folgen daraus lassen sich in ihrer Wirkung noch gar nicht richtig einschätzen, daher bleibt das Problem auch weitestgehend unerkannt. Was für die Menschen am Anfang des neuen technologischen Zeitalters wie ein Seegen vorkam, entpuppt sich heute als Geisel unserer modernen Gesellschaft. Anstatt Ruhe und Entspannung gibt es unbegrenzte Produktivität - 24 Stunden am Tag.

Infografik Lichtverschmutzung

Krank durch ständig aktivierte Lichtquellen

Die Forschung untersucht im Bereich der Chronobiologie die biologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von künstlichem Licht auf den Menschen und stellt dabei einen noch recht jungen Bereich der Wissenschaft dar. Eine Erkenntnis: Der menschliche Organismus produziert bei Dunkelheit ein bestimmtes Hormon - Melatonin hemmt das Wachstum von verschiedenen Krebsarten. Direkte Folgen der Hormonbeschränkung kann verstärktes Stressempfinden sein, ein Zustand, der die Entstehung weiterer Erkrankungen begünstigt, dies gilt für psychische wie auch physische Folgeerkrankungen. Schlafmangel verursacht durch Lichtverschmutzung, führt zu Konzentrationsproblemen und dies führt zu sinkender produktiver Leistung. In Kombination mit Stress können relativ neue schwere Krankheiten wie Burnout-Syndrom entstehen, aber auch Beeinträchtigungen im Alltag wie wichtige Lernprozesse werden beeinflusst. Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes sind Folge von Schlaflosigkeit.

Beeinflussung von Licht auf den Zyklus

Studien haben gezeigt, dass durch die Wirkung der Lichtverschmutzung die Pubertät bei Jugendlichen beeinflusst wird. Je länger Jugendliche dem künstlichen Licht ausgesetzt sind umso später schlafen sie auch ein - das hat mit der inneren Uhr im Menschen zu tun. Dies hat Folgen auf die Entwicklung der Heranwachsenden. Die Wirkung des Lichts auf Nachtaktive ist der stärkste Indikator für die innere Uhr des Menschen und bei Heranwachsenden hat dies eine noch stärkere Wirkung als bei erwachsenen Menschen, da Jugendliche einer besonders starken Körperentwicklung ausgesetzt sind.

Wo Lichtverschmutzung stattfindet:

  1. Im Schlafzimmer
    Das Problem der Lichtverschmutzung fängt direkt im eigenen Schlafzimmer an und geht bis hin zur urbanen und großflächigen Lichtstreuung. Wer im Schlafzimmer mehrere elektrische Geräte mit Lichtfunktion angeschlossen hält wie etwa: Radiowecker, indirekte Beleuchtung, Smartphone oder einfach nur Geräte im Stand-by-Modus, der sorgt bereits für eine gewisse Belastung. Die Nähe zum Schlafplatz verstärkt dabei die vielleicht geringen Lichtquellen.
  2. Erweiterter Radius - angrenzende Zimmer und außerhalb des Wohngebäudes:
    Die nächsten Störquellen außerhalb des Schlafzimmers sind angrenzende beleuchtete Zimmer, zum Beispiel durch eine aktivierte Aquarienbeleuchtung und angeschaltete TV-Geräte. Diese Lichtquellen lassen sich leicht deaktivieren oder durch das Schließen der Zimmertüre ausgrenzen. Problematischer wird es bei der Straßenbeleuchtung, die oft bis tief in die Nacht angeschaltet bleibt. Auch vorbeifahrende Autos und Motorräder liefern mit ihren Scheinwerfen ein nicht zu ignorierendes Risiko. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte hat die Intensität der Nutzung mobiler Fortbewegungsmittel drastisch zugenommen - tagsüber aber auch nachts, wenn viele Menschen schlafen und sich erholen wollen.
  3. Urbane Lichtverschmutzung
    Durch die Zunahme an Industrieanlagen, Bürogebäuden, Flughäfen und Flugzeugen, Leuchtreklamen und Baustellen, wird aus der eigentlich ruhigen Nacht, ein Vorkommen an störenden Einflüssen fast schon wie am Tag. Kein Wunder, denn die Produktion steht niemals still, vorbei sind die Zeiten ohne Nachtschicht, egal ob Umsätze, Gewinne oder das Wachstum, das “immer mehr“ führt zu weniger Ruhe und Erholung. Dass dabei Stress und Krankheiten ebenfalls proportional zunehmen, ist daher kein Wunder. Die Sensibilität des Individuums mag dabei unterschiedlich sein und nicht jeder reagiert gleich stark auf die Lichtverschmutzung, dennoch werden die Krankheitsfälle immer mehr.

Negative Folgen und Krankheiten durch Schlafstörungen

Die Folgen dieser schädlichen Einwirkungen lassen sich zum Teil noch gar nicht absehen: Klar ist jedoch, dass die Menschen weniger produktiv werden, es tritt also genau das Gegenteil von der zuvor durchgeführten Absicht durch zum Beispiel Nachtschichten ein. Den Menschen fehlt also die Energie sich den täglichen Anforderungen des immer schneller werdenden Alltags zu stellen, und im harten Wettbewerb mithalten zu können. Daraus entwickeln sich typische Krankheiten im Bereich der Psyche aber auch der Körper gibt irgendwann auf und kollabiert.

Typische stressbedingte Krankheiten können zum Beispiel folgende sein:

  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen bis hin zu chronischen Beeinträchtigungen
  • allgemeine Körperbeschwerden und Unwohlsein durch fehlende Energie
  • Herz-Kreislaufprobleme bis hin zu Herzinfarkt
  • Depressionen
  • Burnout-Syndrom
  • Dehydrierung durch Rastlosigkeit und Schlafmangel
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • verschiedene Krebserkrankungen


All diese möglichen Krankheitsbilder können je nach individueller Veranlagung früher oder später eintreten. Kombinationen aus einzelnen Krankheiten sind dabei keine Seltenheit, da dem Körper wichtige Reserven fehlen, um sich zu regenerieren und zu erholen. Leider werden diese Gefahren alleine schon vom Gesellschaftsbild ignoriert: Betroffene sind einfach übersensibel oder bilden sich Krankheiten nur ein, so die abschätzende Reaktion. Unsere Gesellschaft ist immer noch auf Leistung und Wachstum eingestellt, was aus unserer weit zurückliegenden Vergangenheit abstammt und in unseren Genen tief verankert ist und dennoch: Jeder Mensch hat seinen eignen Rhythmus, der sich nicht auf alle äußeren Bedingungen einstellen lässt. Dafür nimmt die Belastung in extremem Maß zu - so trägt die Lichtverschmutzung einen extrem wichtigen Teil zu unserem Unwohlsein bei.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich gegen Lichtverschmutzung zu wehren?

Im Idealfall sollte der Mensch die Dunkelheit der Nacht so unverfälscht wie nur möglich für sich nutzen und Ruhe und Erholung finden. Durch unser Leben und unsere Gewohnheiten ist dies aber kaum noch möglich, nicht jeder kann in der unbewohnten Natur leben und sich damit wirksam abgrenzen.

So schützen Sie sich vor Lichtverschmutzung:
  1. Entfernung von Lichtquellen aus dem Schlafzimmer: Bereits die sich im Stand-by-Modus befindlichen elektrischen Geräte beeinflussen durch kleine Lämpchen das Auftreten der Lichtverschmutzung. Das Gerät vollständig ausschalten und so wenig wie möglich dieser Geräte im direkten Umfeld bei Schlafen bei sich haben lautet hier die erste Devise
  2. Löschen angrenzender Lichtquellen. Nutzen Sie die Möglichkeit von Zeitschaltuhren bei Aquarienbeleuchtungen (auch die Fische benötigen Dunkelheit und Ruhe). Nehmen sie auch in angrenzenden Zimmern möglichst alle elektrischen Geräte vom Stromnetz, wenn nötig die Tür vom Schlafzimmer geschlossen halten.
  3. Der wirksamste Schutz gegen Licht von Außen ist die Installation von lichtundurchlässigen Rollos. Auch Vorhänge und Jalousien können wirksam sein.
  4. Wer vor einem Wohnungswechsel oder dem Hausbau steht, sollte bereits so früh wie möglich solche Einflüsse durch Lichtverschmutzung mit in die Planungen miteinbeziehen. Wohnräume, die von außen mit Straßenlaternen beleuchtet werden sind dabei ebenso unvorteilhaft, wie Zimmer mit der Ausrichtung auf beleuchtete Gebäude wie Fabriken, Bahnhöfe, Stadt- und allgemein, das Nachtleben.
  5. Den richtigen Tag-Nacht-Rhythmus finden und danach leben. Ruhelose Nächte und rastlose Tage fördern das Auftreten von Krankheiten. Im Idealfall regelmäßige Nachtzeiten einhalten.

Dunkelheit wird zum anerkannten Kulturgut

Selbst aus dem Weltraum ist das emsige Treiben und die Beleuchtung der Erdoberfläche gut zu erkennen. Der Blick auf den Sternhimmel bleibt uns dafür immer öfter verwehrt. Die freie Sicht hinauf zu den Sternen wird zum kulturellen Luxusgut. Erst kürzlich wurde die Rhön offiziell zum Tourismusgebiet Sternenpark erklärt, dort können naturverbundene Nachtschwärmer und Sternengucker wieder zu den Sternen greifen. Die Menschen des Biospährenreservat Rhön sehen sich in der Verantwortung die Nacht zu schützen, dafür erhielten sie Anfang August 2014 die international anerkannte Auszeichnung “International Dark Sky Reserve“ der International Dark Sky Reserve, IDA, in Tucson/USA. Hier können die Menschen also auch weiterhin gesund und erholsam schlafen oder aber auch in den Nachthimmel schauen und die Freiheit der Sternbilder genießen.

Früher Segen, heute Belastung

Thomas Edison gilt als Erfinder und Pionier der Elektrifizierung. Seine Erfindungen sorgten damals für eine bahnbrechende Entwicklung für die Gesellschaft. Vor allem die Erfindung der ersten elektrische Glühbirne waren ein Segen für die damalige Gesellschaft. Diese Erfindungen sind inzwischen sehr weit fortgeschritten und mit der zunehmenden Dichte von Lebensräumen und der wachsenden Zahl von Erdbewohnern, nimmt auch die Verschmutzung durch Licht immer weiter zu. Der Mensch ist aber auf viele Jahrhunderte und Jahrtausende auf einen natürlichen Rhythmus geeicht, die rasche Veränderung innerhalb von nur 150 Jahren resultiert in vielen unterschiedlichen Beeinträchtigungen und in Krankheiten.

Um Schlafstörungen vorzubeugen, sollte das Licht in der Nacht aus bleiben, künstliches Licht ist insofern keine Wohltat für den Menschen. Angenehm Aufstehen lässt es sich mit dem Sonnenaufgang und nicht mit elektrischem Licht.

Bildrechte - Vorschaubild: stefanolunardi / 123RF Stockfoto

 
Tags: schlafstörung, lichtverschmutzung
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2 Kommentare

  • Belinda 5. September 2014 10

    Kann dem Autor nur zustimmen!

    Spannender Artikel, der meine Erfahrungen teilt! Ich schlafe grundsätzlich ohne jegliche technischen Geräte und mit einem Verdunklungsrollo. Auch Kopfschmerzen und schweres Einschlafen gehörten früher zu meinen täglichen Problemen. Kompliment an den Autor.
     
  • Jutta 5. September 2014 10

    Sehr interessant

    Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel. Ein solches Thema hatte ich bisher noch nie auf dem Radar und bin schokiert was künstliches Licht anrichten kann.
     
 

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