Lebendrupf: Einige Daunenbettenhersteller rupfen ihre Gänse trotz Verbot am lebendigen Leib

Inhaltsverzeichnis:
  1. EU-Verbot nicht mehr als ein Gebot?
  2. Tierqual nicht nur außerhalb von Europa
  3. Was können verantwortungsbewusste Verbraucher unternehmen?
  4. Der mündige Käufer

Die heißen Nächte sind nun wieder vorbei und der Herbst löst den Sommer ab. Mit der nachlassenden Hitze wird es auch endlich wieder gemütlicher. Dünne Bettwäsche wird jetzt durch dickeres und wärmendes Bettzeug ersetzt. In vielen Fällen bedeutet das den Einsatz von Gänse-Daunenfedern. Diese traditionell bewährte Verarbeitung birgt leider auch ein qualvolles aber für manche Bettzeug-Hersteller durchaus lukratives Geheimnis, die Verwendung von lebend gerupften Gänsedaunen.

Als Endverbraucher sieht man sich oft der Willkür der Hersteller ausgesetzt. Das Vertrauen zwischen Käufer und Verkäufer wird mit Siegeln, Label und plakativen Versprechen formuliert, dies sollte als Vertrauensbasis in der Regel genügen. Wer auf den Verpackungen Zertifikate mit der Aufschrift Bio oder Freilandhaltung sieht, glaubt seine bestehende Skepsis entlastet und greift gerne zu tierischen wie auch pflanzlichen Produkten. Leider wird es den Käufern damit oft sehr einfach gemacht Verantwortung walten zu lassen und dem zu glauben, was dort - immerhin schwarz auf weiß steht. Solche Labels müssen schließlich zertifiziert sein, glaubt man als Verbraucher. Was sich aber tatsächlich vor der Verpackung eines verarbeiteten Tieres oder bei anderen Produkten abgespielt hat, ist für den Verbraucher oftmals weder transparent nachvollziehbar oder nicht überprüfbar.

EU-Verbot nicht mehr als ein Gebot?

Der Gesetzgeber hält für Lebensmittel und natürlich auch für andere Produktionsgüter eine Vielzahl an Bestimmungen parat, dies sollte ein weiteres Indiz für Vertrauen zwischen den involvierten Bereichen darstellen. Die EU verbietet die Verwendung von Daunen aus der sogenannten Lebendrupf. Dieses Vorgehen ist pure Tierquälerei und mit starken Schmerzen für die Tiere verbunden. Lebend gerupfte Vögel haben oftmals schwere Verwundungen wie das Aufreißen der Haut oder Verletzungen wie gebrochene Flügel - da sich die Tiere während der Prozedur gegen die Peiniger wehren. Während die Tiere leiden, bedeutet dieses Verfahren für die Anwender gleich mehrfachen Gewinn. Die Tiere werden mehrfach gerupft, so können auch mehrmals Umsätze aus dem Verkauf der Daunen erwirtschaftet werden.

Wenn die Tiere nicht per Hand gerupft und gequält werden, dann gibt es auch passende Maschinen, die diese blutige Arbeit übernehmen. In einer Dokumentation des Senders 3sat beschreibt Karl Fikuart von der Bundestierärztekammer das verbotene Vorgehen. Maschinen, die zum Rupfen eingesetzt werden, dürfen nur dann angewandt werden, wenn die Tiere bereits tot sind. In einem belegten Fall eines Mastbetriebes in Niedersachsen wurde so mit lebendigen Tieren verfahren. Die Tierschutzorganisation 4-Pfoten ist im Besitz von Filmaufnahmen, die deutliche Rupfspuren bei Tieren zeigen. Das Gefühl, das die Tiere ertragen müssen ist, damit vergleichbar, wie es sich anfühlt, wenn beim Menschen die Haare herausgerissen werden, nur bleibt es hier nicht bei einem kurzen Schmerz, die Prozedur dauert lange. Die Federkiele der Tiere gehen tief bis in die Haut, herausgerissene Hautlappen sind keine Seltenheit.

Kaum jemand möchte solche Waren bei sich haben, weder als Kleidungsstück und auch nicht als gemütliche und wärmende Daunendecke. Das Problem ist die Rückverfolgung durch die einzelnen Produktionsschritte, bis hin zu den Erzeugern, die meist im Ausland sitzen, dort wo die Ware für die Hersteller eben auch günstig bezogen werden kann. Trotz des Einfuhrverbotes der EU stammen Daunenwaren aus Ländern wie Osteuropa oder aus Asien bis zu 80 % aus der verbotenen Lebendrupf, so Karl Fikuart. Als Verbraucher hat man so gut wie keine Chance den Ursprung kontrollieren zu können, auch dann nicht, wenn Händler für sich bestätigen, keine Daunen aus der Lebendrupf zu verwenden. Diese Zwischenhändler lassen sich zwar in der Regel die Herkunft bestätigen, für wirkungsvolle Überprüfungen wie unangemeldete Kontrollbesuche fehlen aber die Möglichkeiten oder die Verantwortung. So bleibt es bei einem nicht nachvollziehbaren Versprechen, auf das sich verantwortungsbewusste Verbraucher nicht verlassen sollten.

Tierqual nicht nur außerhalb von Europa

Das solch ein Vorgehen nicht nur in China, sondern auch in Ländern innerhalb der EU mit Subventionsgeldern vorkommt, haben Reporter des schwedischen TV-Sender „TV-4“ belegt. Hier wurden mobile Daunenpflücker bei ihrer Arbeit versteckt dokumentiert. Auch hier wurden den Tieren starke Verletzungen zugefügt, die Tiere werden zum ersten Mal nach etwa 8 Wochen Lebenszeit gerupft. Diese Prozedur lässt sich mehrmals wiederholen, bis das Tier dann geschlachtet wird und noch einmal gerupft wird. Die Händler aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland wissen offiziell nichts von diesem Vorgehen - es ist schließlich auch verboten. In einem weiteren Fall von Lebendrupf-Daunen mit Ursprung aus Ungarn konnte dem Daunenhändler in Deutschland die Kenntnis dieses Vorgehens dank Audio-Aufzeichnungen und schriftlichen Bestätigungen auf Lieferscheinen bewiesen werden. Doch auch hier wurde sich auf die vorliegenden Beweise nur mit Erklärungsversuchen herausgeredet: Es wäre schließlich, trotz Überprüfungen generell nicht möglich, solche Vergehen zu überwachen. Bei solchen Einstellungen zur Sorgfaltspflicht der Händler sollten sich die Verbraucher also wirklich fragen, wie weit ihr Vertrauen auf Ehrlichkeit strapaziert werden darf.

Was können verantwortungsbewusste Verbraucher unternehmen, um sicherzugehen?

  1. Die wirksamste Möglichkeit diese Tierqual auszuschließen ist der konsequente Verzicht von Bettwaren, bestehend aus Daunenfedern. Wie es etliche Beispiele zeigen, geben die Hersteller und Händler zwar an keine Daunen aus der Lebendrupf zu verwenden, lückenlos beweisen können sie dies aber kaum. Als Alternative gibt es zahlreiche Produkte bestehend aus pflanzlichen oder auch synthetischen Fasern. Bettzeug aus Daunenfedern werden gute klimatische Funktionen bescheinigt, bei Feuchtigkeit sind Daunenfedern hingegen nur wenig funktional, da sie Temperaturen nun nicht mehr richtig isolieren können. Moderne Füllstoffe wie Primasoft und Ingeo bleiben hier viel beständiger. Weiterhin dienen Daunen und Federn als Nährboden für Bakterien und begünstigen Schimmelbildung oder Allergien. Es sprechen also mehrere Gründe für die Wahl einer tierleidfreien Bettdecke oder einem Kopfkissen.
  2. Für wen diese pflanzlichen oder synthetischen Materialien dennoch nicht infrage kommen, der sollte sich bei der Wahl der Daunendecke nicht auf Siegel und Bestätigungen der Hersteller verlassen. Produkte im Angebot oder im niedrigen Preissegment können darauf schließen lassen, dass hier nicht nachweisbar erlaubtes Daunenmaterial verwendet wurde. Solche Preise können auf den Markt gelangen, weil die Tiere gleich mehrmals hintereinander gerupft und ausgebeutet werden. Diese Mehrfachrupf erlaubt den Herstellern günstige Preise, die bei regulären Verfahren so nicht möglich sind.
  3. Als Verbraucher sollte man sich das Herkunftsland der Daunen bestätigen lassen, am besten über einen Liefernachweis. Sollte die Ware aus nicht EU-Ländern stammen, besteht die Möglichkeit zu großen Teilen, dass die Ware aus der Lebendrupf stammt. Beispiele aus Ungarn oder Schweden zeigen aber auch, dass das Vertrauen auf die EU-Herkunft nicht automatisch als Freibrief interpretiert werden kann.

Der mündige Käufer

Trotz persönlicher Vorlieben zur Daunendecke sollten Verbraucher von ihrer Verantwortung Gebrauch machen. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die misshandelten Tiere und dem bestehenden EU-Verbot, sondern auch für sich selbst als mündiger Verbraucher. Den Kunden werden oftmals Versprechen zur erlaubten Herkunft abgegeben und durch Labels wird versucht dies zu untermauern. Die Realität zeigt leider sehr oft, dass hinter der vermeintlichen Sorgfaltspflicht der Hersteller, in erster Linie die eigenen Gewinnabsichten stecken. Unangekündigte Überprüfungen bei den Farmen passen demnach nicht zur Rentabilität eines Unternehmens. Ganz sicher gehen kann der Kunde also in so gut wie keinem Fall. Das wirksamste Mittel bleibt einfach die Deckenalternative ohne die Verwendung von Daunen, auch wenn diese so schön gemütlich und wärmend sind.

Foto: jlbuyz / 123RF Stockfoto

 
Tags: daunen, daunendecke, daunenbett, daunenkissen, federkissen, federbett
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