Schulbeginn um 9 Uhr? Pro und Contra!

Im ganzen Land das gleiche Bild: Kurz nach sechs, der Wecker klingelt und die Kinder wollen einfach nicht aus ihren Betten. Das Aufstehen fällt Kids und Teens besonders schwer, wenn das Bett kuschelig warm ist, draußen aber kein Sonnenstrahl lockt.

Was Eltern als Faulenzerei verbuchen, hat biologische Gründe, sagen Wissenschaftler. Schon seit Generationen kommen Kinder und Jugendliche morgens schwer aus den Federn. Regelmäßig wird zumindest die erste Schulstunde lustlos und im Halbschlaf verbracht. Grund genug sich dem Thema Schulbeginn endlich anzunehmen! Wir schauen uns je drei Argumente für und gegen den späteren Unterrichtsbeginn an und laden Sie dazu ein in den Kommentaren mitzudiskutieren! Jugendliche-brauchen-mehr-Schlaf Der Biorhythmus von Jugendlichen ändert das Schlafverhalten enorm.

Späterer Schulbeginn?

Pro - das sagen die Befürworter:

Pro 1) Jugendliche haben einen anderen Biorhythmus, ihre innere Uhr tickt von Natur aus später.

Forscher haben tatsächlich herausgefunden, dass sich das Schlaf-wach-Verhalten mit dem Älterwerden verändert. Im Kindesalter wird das Schlafhormon Melatonin noch früh ausgeschüttet, wie viele Eltern aus eigener, leidiger Erfahrung wissen. Denn junge Kids wollen ab Tagesanbruch Aktion und hopsen gerne mal am Wochenende auf dem Bett der Eltern rum, während diese noch im Land der Träume unterwegs sind. Ab der Vorpubertät ändert sich alles. Serotonin wird zusehends später ausgeschüttet, die Jugendlichen werden immer später müde und die Zeit des Zubettgehen rutscht weiter nach hinten. Studien beweisen, dass die Gruppe der 14- bis 21-Jährige zu den Nachtaktivsten in der gesamten Bevölkerung zählen. Erst im Erwachsenenalter ändert sich der Biorhythmus wieder, in der Zwischenzeit sind Jugendliche von Natur aus Langschläfer! In Bezug auf den frühen Schulbeginn um acht Uhr bedeutet das für Jugendliche, dass sie jahrelang zu wenig Schlaf bekommen, denn der zeitige Unterrichtsbeginn verkürzt ihre Schlafzeit. Dabei sollten Teenager für die gesunde Entwicklung täglich durchschnittlich neun Stunden schlafen! Nicht zu machen, wenn man erst nach Mitternacht zu Bett geht und die Schule ab acht beginnt!

Pro 2) Der Schlafmangel fördert schlechtere Noten und Krankheiten.

Wer kennt dies nicht: Einmal zu wenig geschlafen und schon fühlt man sich völlig gerädert. Schichtarbeiter und Vielflieger kennen das Schlafdefizit nur zu gut, es fühlt sich wie Jetlag an. Tatsächlich fühlen sich viele Kids und Jugendliche ständig so. Schlimmer noch, keiner nimmt Rücksicht auf ihre Müdigkeit, denn Lehrer und Eltern verlangen Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft. Dabei wurde auch der Zusammenhang zwischen zu wenig Schlaf und schlechten Schulleistungen bereits nachgewiesen. Das Gehirn braucht ausreichend Schlaf, um tagsüber neu gelerntes Wissen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Wegen des frühen Unterrichtsbeginns schlafen die meisten Schüler zu wenig, Konzentration und Lernfähigkeit leiden, und das spiegelt sich in den Noten. Es gibt Untersuchungen dazu, dass die Leistungskurve von Schulkids so früh am Tiefpunkt liegt, erst ab etwa neun Uhr steigt sie. Eine andere Studie aus Heidelberg bestätigt das Ausmaß: Klare Unterschiede in den Abiturnoten von Langschläfern und Frühaufstehern sind nachweisbar. Werden Kids und Teens durch den zeitigen Schulbeginn quasi gezwungen früh aufzustehen, hat dies nicht nur negativen Einfluss auf die Noten, sondern auch auf die Gesundheit. Auch hier konnten Forscher belegen, dass chronischer Schlafmangel bereits in jungen Jahren zu Übergewicht, Trübsinn und psychischen Erkrankungen beitragen kann.

Pro 3) Die Idee "Schule ab 8 Uhr" ist veraltet und nicht mehr zeitgemäß.

Befürworter für einen späteren Schulstart ab neun Uhr vergleichen Schüler mit Büroangestellten und finden, dass der frühe Schulunterricht out ist. Sie fordern, dass der Schultag nicht früher als der Arbeitstag der meisten Erwachsenen starten sollte, nämlich ab neun Uhr. Vor allem für Schüler in ländlicheren Gebieten mit langem Schulweg beginnt der Tag sehr früh, häufig noch vor dem Aufstehen der Eltern. Die Gruppe der Befürworter sieht keine plausible Erklärung für den frühen Unterrichtsbeginn. Der Behauptung der spätere Schulbeginn ab neun Uhr laufe den Gewohnheiten und Anforderungen der Gesellschaft zuwider, können sie absolut nicht zustimmen und fordern die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu berücksichtigen.

 Contra-sp-ter-SchulbeginnEin späterer Schulanfang hat auch einige Nachteile.

Contra - späterer Schulbeginn? Nein, sagen die Gegner:

Contra 1) Wären Schüler häufiger draußen, würden sie auch zeitiger müde.

Schüler verbringen viel Zeit in geschlossenen Räumen, erst in der Schule, später daheim, denn TV und PC locken nun mal mehr als Rasen und Radeln. Viele Kids und Teens brauchen tatsächlich mehr natürliches Tageslicht, dass sich ihre innere Uhr aber umstellen würde, wenn sie mehr Zeit draußen verbringen würden, ist falsch. Die Schuld also bei den Schülern zu suchen ist contraproduktiv. Das Tageslicht als natürlicher Zeitgeber funktioniert besonders in der Vorpubertät und Pubertät nur bedingt, die Jugendlichen werden einfach aus biologischen Gründen später müde. Das Tageslicht ändert an diesen biologischen Prozessen nichts. Eltern sollten bei ihrem Nachwuchs trotzdem darauf achten, dass abends nicht stundenlang am Computer oder Fernseher gesessen wird, denn das bläuliche Licht hält künstlich wach und verlängert die Zeit bis zum Einschlafen. Aus der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung bedingt, gehen Schüler heute im Durchschnitt tatsächlich später ins Bett, als noch Mitte des letzten Jahrhunderts. Aber kaum jemand möchte heute so leben wie es 1950 üblich war, auch Kids nicht!

Contra 2) Ein späterer Schulbeginn bedeutet auch ein späteres Schulende, dann bleibt kaum Freizeit.

Sicherlich möchte jeder Schüler gerne Freizeit haben. Doch wie am Beispiel von Ganztagsschulen zu sehen ist, kommen Schüler auch mit dem Schulende am späten Nachmittag gut klar. Trotz späterem Schulschluss bleibt am Nachmittag und frühen Abend für Ganztagsschüler genug Zeit, um ihren Interessen und Hobbys nachzugehen oder Hausaufgaben zu erledigen. Daher ist es plausibel, dass alle Schüler sich an ein späteres Schulende schnell gewöhnen würden und nicht über zu wenig Freizeit klagen würden.

Contra 3) Die Eltern brauchen die Zeit für sich, wer soll die Kids morgens so lange betreuen?

Natürlich würden einige Eltern, die selbst früh zur Arbeit müssen, vor einem Problem stehen, wenn die Schule plötzlich später beginnt. Das Problem dürfte sich aber sozusagen auswachsen, denn Kids ab etwa 11, 12 Jahren (hängt natürlich vom individuellen Kind ab) können alleine bleiben und den Schulweg selbst meistern. Kleinere Kinder brauchen hingegen eine Betreuungsperson, um morgens fertig zu werden und zur Schule zu kommen. Dafür würde die Schule aber entsprechend später enden und die Eltern so wieder entlasten. Denn die Notwendigkeit für eine anschließende Betreuung würde für viele Eltern entfallen. Im Endeffekt ließe sich der spätere Schulstart ab neun Uhr für viele Eltern meistern, wenn sie ihren eignen Arbeitstag ein wenig umstrukturieren (etwa später im Büro anfangen und länger bleiben).

Schule erst ab 9 Uhr - ist das sinnvoll? Schüler haben geantwortet:

Was halten Sie von der Debatte? Ist es Zeit für ein Umdenken? Sollte die Schule ab neun Uhr beginnen? Oder ist das alles Spinnerei? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren!

 

Bilder:

Titelbild - Urheber: Prometeus / 123RF Lizenzfreie Bilder

Jugendliche brauchen mehr Schlaf - Urheber: sabphoto / 123RF Lizenzfreie Bilder

Contra später Schulbeginn - Urheber: olegdudko / 123RF Lizenzfreie Bilder

 
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